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Schwermetallbelastung und Anbauverbote in Wiesloch

Die Schwermetallbelastung Wieslocher Böden ist seit dem Jahr 1979 bekannt. Ab dieser Zeit wurden in dem Gebiet über 4.000 Bodenproben untersucht, mittlerweile liegen mehr als 20.000 Einzelwerte vor. Bedenklich ist die Belastung hinsichtlich des Pfades Pflanze/Mensch, wenn zum Beispiel mit Schwermetallen angereichertes Gemüse in größeren Mengen verzehrt wird. Ebenso ist zu vermeiden, dass belastete Bauaushübe unkontrolliert in der Landschaft verbreitet werden. Auch muss darauf geachtet werden, dass Kinder beim Spielen nicht größere Mengen von belasteter Erde essen.

Schwermetallbelastung Wiesloch (1,298 MB)
Schwermetallbelastung Baiertal (472,2 KB)
Legende zu den Karten (756,8 KB)

Broschüre Boden und Umwelt in Wiesloch (4,109 MB), mit Kartenmaterial über die Art und Höhe der Schwermetallbelastung.

Geschichte und Ausdehnung

In den Schichten des Muschelkalks bei Wiesloch bildete sich vor einigen Millionen Jahren eine Blei-Zink-Silber-Lagerstätte. Angereichert sind speziell die Elemente Arsen, Blei, Cadmium, Thallium und Zink sowie die ungefährlichen Metalle Barium und Eisen. Somit sind große Bereiche des Muschelkalks in Wiesloch durch geologische Vorgänge vererzt. Das heißt, dass alle Gebiete, in denen diese Gesteine oberflächennah anstehen, als potentiell stark schwermetallbelastet angesehen werden müssen.

Besonders durch den mittelalterlichen Bergbau und dessen Aufbereitungs- und Verhüttungseinrichtungen kam es zusätzlich zu einer intensiven Belastung der Böden der Gemarkung. Dies geschah durch Verschwemmungen und über den Luftweg. Ebenso kontaminiert sind die Auenbereiche der Ortsbäche, da dort mittelalterliche Schlackenhalden lagern.

Allerdings kann erfreulicherweise gesagt werden, dass bisher noch kein einziger diesbezüglicher Krankheitsfall in Wiesloch aufgetreten ist. Alle Maßnahmen dienen also der Vorbeugung.


Bauaushübe

Je nach Höhe der Kontamination dürfen schwermetallbelastete Bauaushübe nur noch mit Einschränkungen an anderen Orten eingesetzt werden. Oftmals müssen sie sogar in spezielle Deponien verbracht werden. Man versucht dadurch zu verhindern, dass wie früher geschehen, die Kontamination weiter verbreitet wird. Die Folge wäre nämlich, dass so für immer mehr Flächen Anbauverbote ausgesprochen werden müssten.

Um den Grad der Belastung festzustellen, sind in weiten Teilen der Gemarkung bei Baumaßnahmen vorangehende Fachuntersuchungen vorgeschrieben. Hierbei werden repräsentative Proben aller mächtigeren Aushubschichten auf die Metalle Arsen, Blei, Cadmium, Thallium und Zink untersucht. Es werden die Gesamtgehalte und die Wasser-Eluate gemessen.

Der Gesetzgeber hat für alle giftigen Metalle nach der Höhe der Belastung gestaffelte Grenzwerte (sogenannte Zuordnungswerte, Z-Werte) hinsichtlich der Gesamtgehalte und Eluate festgelegt. Maßgebend für die Einstufung in die Z-Klassen ist derjenige Einzelwert, der die höchste Klasse erreicht.


Anbauverbote für verschiedene Nutzpflanzen

Übersichtskarte über die Anbauverbote in Wiesloch

Durch verschiedene Nutzpflanzen können die örtlich stark erhöhten Gehalte der genannten Metalle in Oberböden deutlich angereichert werden. So speichern bestimmte Kohlarten Thallium, und Weizen nimmt leicht Cadmium auf. Gelangen diese Pflanzen in den Nahrungskreislauf, so sind langfristig gesundheitliche Schäden nicht auszuschließen.

Deshalb wurden vom Landratsamt Heidelberg als Vorsichtsmaßnahme für Teile der Gemarkungen von Wiesloch und Nachbarorten Anbauverbote für bestimmte, schwermetallaufnehmende Nutzpflanzen ausgesprochen. Die Verbote sind gleichermaßen für gewerblichen und privaten Anbau gültig.
Übersichtskarte Anbauverbote (807,8 KB)

In den grün dargestellten Flächen gelten Anbauverbote für folgende Pflanzen:

  • Nahrungspflanzen:
    Endivie, Grünkohl, Hafer, Karotten, Kresse, Lauch, Mangold, Petersilie, Radieschen, Rote Beete, Salat, Schnittlauch, Schwarzwurzel, Sellerie (-blatt und -knolle), Sonnenblumen, Spinat, Weizen, Wirsing
  • Futterpflanzen:
    Grünmais, Rübenblatt und Sonnenblumen-Extrationsschrot

Auf den in rot, purpur und gelb markierten Bereichen gelten wegen der hohen Thalliumbelastung zusätzlich Verbote für folgende Pflanzen:

  • Nahrungspflanzen:
    Blumenkohl, Brokkoli, Chicorée, Chinakohl, Feldsalat, Kohlrabi, Rosenkohl, Rotkohl und Weißkohl
  • Futterpflanzen:
    Grünraps, Körnerraps, Silomais und Stoppelrüben

Kontakt, weitere Informationen

Frau Stein, Umweltbeauftragte und Lokale Agenda, Fachbereich 5
Rathaus, Zimmer 011, 2. Untergeschoss
Telefon: 06222 84-350, Fax: 06222 84-465
m.stein@wiesloch.de
Sprechzeiten:
Mittwochs: 13:30 bis 17:00 Uhr, donnerstags 10:00 bis 13:00 Uhr

oder:
Landratsamt Rhein-Neckar-Kreis, Amt für Landwirtschaft und Naturschutz, General-Sigel-Straße 12, 74889 Sinsheim,
Telefon 07261 94665300, http://www.rhein-neckar-kreis.de.

oder:
Büro BDU/Dr. Ludwig Hildebrandt, Wiesloch, Telefon 06222 54929

Sowohl bei der Stadtverwaltung als auch beim Landratsamt können Sie zu den üblichen Dienstzeiten Detailkarten mit flurstücksgenauer Abgrenzung einsehen.