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Städtebauliche Entwicklung Heidelberger Druckmaschinen AG

Luftbild: Übersichtsplan Heidelberger Druckmaschinen

Der Gemeinderat gab in der Sitzung am 17. Juli 2019 grünes Licht für die Entwicklung von 270.000 qm Gewerbefläche im Bereich der Heidelberger Druckmaschinen AG.
Der Beschluss dazu wurde mit 14 Jastimmen und 10 Neinstimmen gefasst.

Vorher wurden folgende Anträge zur Vorlage behandelt:

  • Der Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, dass ein Drittel des Güterverkehrs bis 2030 über die Schiene erfolgen soll, wurde abgelehnt. (10 Jastimmen, 14 Neinstimmen.)
  • Der Antrag der SPD-Fraktion, den Gleisanschluss der HDM zu erhalten, wurde abgelehnt. (11 Jastimmen, 13 Neinstimmen.)
  • Der Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, ein klimaneutrales Gewerbegebiet zu entwickeln, wurde abgelehnt. 11 Jastimmen, 13 Neinstimmen.)

Zum Hintergrund:

Im Rahmen ihrer Neuausrichtung und als Folge der Digitalisierung der Medien- und Druckbranche beabsichtigt die Heidelberger Druckmaschinen AG (HDM), die Flächen des Stammwerks in Wiesloch/Walldorf durch geeignete Verdichtungsmaßnahmen optimiert zu nutzen. Freiwerdende Teilflächen sollen gewerblichen Drittnutzungen zugeführt werden.

Luftbild: Übersichtsplan Digital Campus und ServicePort/Logistik

Die zur Umnutzung vorgesehenen Flächen umfassen insgesamt ca. 27 ha. Nach einem standortinternen Verlagerungs- und Optimierungsprozess werden neben Hallen und Bürogebäuden auch Parkplatzflächen zur Disposition stehen. Erste Gespräche mit potenziellen Nutzern und Investoren sowie mit den Städten Walldorf und Wiesloch wurden bereits geführt.
Für einen ca. 11 ha großen Teilbereich der Konversionsfläche ist eine Logistiknutzung („Service Port“) geplant, auf dem größeren Teil von etwa 16 ha soll ein städtebaulich anspruchsvolles Büro- und Technologiequartier („Heidelberg Digital Campus of Things“) entstehen. Die vorhandene Infrastruktur soll weitestgehend erhalten und weiter genutzt werden, der laufende Betrieb der zum Kerngeschäft des Unternehmens gehörenden und weiterhin genutzten Anlagen und Gebäude soll stets aufrechterhalten werden.

Allgemeine Zielsetzungen

Nachhaltiges, zukunftsorientiertes Gesamtkonzept
  • Entwicklungspotenzial und Chance: Konversion Industriefläche in modernes Büro- und Technologiequartier
  • Kein Standort auf der „grünen Wiese“, sondern Innen- vor Außenentwicklung
  • Beachtung Zielsystem Stadtentwicklungskonzept INSEK
Funktionale, räumliche und stadtgestalterische Zielvorgaben
  • Gliederung des Planungsraums in Service Port / Logistik
    und Digital Campus / Büro- und Technologiequartier 
  • Hauptnutzungen Digital Campus:
    - Büro-, Forschungs-, Fertigungs-, Lager- und Serviceflächen
  • Nebennutzungen Digital Campus:
    - Quartiers- und Innovationszentrum mit Servicebüro,
    - Hotel- und Boarding-House-Nutzungen (begrenzt + untergeordnet),
    - Einzelhandel, ausschließlich zur Versorgung des Gebiets,
    - Gastronomie, ausschließlich zur Versorgung des Gebiets,
    - Fitness- und Wellness-Zentrum
  • Hohe bauliche Dichte + städtebauliche und freiraumplanerische Qualität
  • Adressbildung „Digital Campus“ mit Außenwirkung
  • Städtebauliches Gesamtkonzept
  • Sicherung städtebaulicher und freiraumplanerischer Qualitäten für
    Digital Campus über konkurrierendes Auswahlerfahren
Zielvorgaben Mobilität, Verkehr und Erschließung
  • Optimale Anbindung an bestehende und geplante Verkehrsinfrastruktur sowie Bereitstellung einer hohen Erschließungsqualität Anbindung Service Port von Süden
    >> Ertüchtigung der Straße einschließlich beleuchteter Geh- u. Radweg
  • Anbindung Digital Campus von Norden
  • Gesamt-Verkehrskonzept erforderlich: LKW, PKW, ÖPNV, Rad- u. Fußverkehr, Parken >> Nachweis Belastbarkeit Netz + ggf. Folgemaßnahmen
  • „Gewerbequartier der kurzen Wege“, u.a. direkte Fuß- und Radwegverbindung vom Bahnhof Wiesloch-Walldorf bis REWE/Unterer Wald
  • Ruhender Verkehr: flächensparend in mehrgeschossigen Parkhäusern
Zielvorgaben Freiräume, Umwelt und Ökologie / Entwässerung
  • Freiraumkonzept Digital Campus mit qualitätsvoller Gestaltung, angenehmer Aufenthaltsqualität und entsprechendem Grünanteil
  • Besonderer Platz- oder Grünraum für Adressbildung und Orientierungspunkt im Quartier
  • Integration der z.T. erhaltenswerten Bestandsbäume wünschenswert
  • Extensive Dachbegrünung im Digital Campus und Service Port
  • Ausgleich für ggf. Inanspruchnahme Wald durch Geh-/Radweg erforderlich
  • Anpassung Entwässerung an aktuelle Anforderungen: Rückhaltung Niederschlagswasser u.a. durch Dachbegrünung
  • Ableitung Straßenwasser künftig in SW-Kanalisation anstelle Kehrgrabensystem, Dachentwässerung künftig in Kehrgraben

Weiteres Vorgehen

Unter Zugrundelegung der Rahmenbedingungen und der städtebaulichen Zielvorgaben wird die HDM für den Digital Campus über die Sommerpause 2019 ein städtebauliches Workshopverfahren mit drei teilnehmenden Stadtplanungsbüros und unter Beteiligung von Vertretern der Verwaltung der Städte Wiesloch und Walldorf durchführen. Ziel der Mehrfachbeauftragung ist, alternative städtebauliche und freiraumplanerische Konzepte zu erhalten und danach das von der Bewertungskommission ausgewählte Planungsteam mit der abschließenden Bearbeitung des städtebaulichen Entwurfs zu beauftragen, welcher Grundlage für das anschließende Bebauungsplanverfahren werden wird. Die gemeinderätlichen Gremien werden über die Ergebnisse des Planungsworkshops informiert.

Für den Bereich des Service Port befindet sich die HDM bereits in Abstimmung mit konkreten Logistik-Nutzern. Erste Strukturkonzepte und nutzerspezifische Planungen wurden bereits entwickelt. Vor der Aufnahme der Logistik-Nutzung ist die Herstellung der o.g. Geh- und Radwege vom Bahnhof Wiesloch-Walldorf bis zur Straße „Im Unteren Wald“ bzw. parallel zur Straße „Im Unteren Wald“ einschließlich Kostentragung durch die beteiligten Dritten zu gewährleisten. Um die durch die Planung entstehenden Konflikte umfassend bewältigen zu können, wird das Bebauungsplanverfahren gewählt – auch um Planungs- und Rechtssicherheit für den Vorhabenträger und die Kommune zu gewährleisten. Die konkret erforderliche Abgrenzung erfolgt im weiteren Verfahren.

Vor den jeweiligen Aufstellungsbeschlüssen sind von der HDM bzw. den Vorhabenträgern Verträge zur Übernahme der Planungskosten und der bei der Stadt anfallenden Rechtsberatungskosten zu unterzeichnen. Die Folgekosten der Planung sind - soweit rechtlich möglich – ebenfalls vom Grundstückseigentümer bzw. Vorhabenträger zu übernehmen. Hierzu werden parallel zu den Bebauungsplanverfahren bzw. vor Erteilung einer Baugenehmigung städtebauliche Verträge abgeschlossen.

Ziel der HDM ist es, dass die Städte Wiesloch und Walldorf noch 2019 die jeweiligen Bebauungsplanverfahren einleiten. Die Bauanträge für die im Zusammenhang mit den unternehmensinternen Verlagerungsprozessen notwendige Erweiterung der Halle 12 und die erforderlichen Parkhäuser liegen der Baurechtsbehörde bereits vor.