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„Auf Du und Du mit der Natur"

Ferienspaß mit der Umweltbeauftragten 2019

Im Rahmen des Ferienspaßes der Stadt Wiesloch wurden, wie schon seit mehr als zwanzig Jahren, drei Exkursionen „Auf Du und Du mit der Natur“ in die Äußere Helde angeboten.  Die Umweltbeauftragte der Stadt Wiesloch, Dipl. Biologin Monika Stein, Max Ludwig, der gerade ein Freiwilliges Ökologisches Jahr im Umweltamt macht und die Auszubildende Margarete Becker verbrachten mit insgesamt 54 Kindern je fünf quirlige und spannende Stunden auf den Spuren von jetzt aktiven Insekten, Vögeln und al-lem, was da kriecht und fliegt.  Kräuter, Sträucher und Bäume laufen ja naturgemäß nicht weg und konnten in Ruhe betrachtet und studiert wer-den. Früchte, Blätter, Wuchsform und Rinde waren für die Bestimmung hilfreich.

Nachdem sie über die Wichtigkeit des Respekts vor unseren Mitgeschöpfen aufgeklärt worden waren und in die fachgerechte Handhabung der Becherlupen eingeführt worden waren, begannen die 5 – 11- Jährigen auf einer artenreichen Wiese damit, allerlei Fliegen, Bienen, Spinnen, Schmetterlinge und Heuschrecken so vorsichtig wie möglich einzufangen.

Sie wurden herumgezeigt, bestimmt, zur Artenliste der Äußeren Helde hinzugefügt und Monika Stein erzählte Charakteristisches über diese Tierarten. Dann wurden alle wieder auf die Wiese entlassen. Bei dieser kurzen Kartierung konnten auf den extensiv zweimal im Jahr gemähten staudenreichen, blühenden Wiesen, die dadurch viel artenreicher sind als kurzgeschorene Rasenflächen, 50 Tierarten und 30 Pflanzenarten gefunden und bestimmt werden. Drei Blindschleichen erfreuten durch ihre Anwesenheit. Vor allem Zwergzikaden, auch die knallgrüne Büffelzikade, verschiedene Lang- und Bodenwanzen, Weich- und Blindwanzen und ihre Larven, die allseits bekannte Feuerwanze, die kein Käfer ist, auch wenn alle sie Feuerkäfer nennen, wurden oft gesichtet. 

Weberknechte und eine Wespenspinne als Star darunter zeigten sich.  Kleinschmetterlinge, Zünsler, Spanner, Tagfalter wie die robusten Kohlweißlinge, einige wenige Wiesenbläulinge und der Kleine Heufalter konnten entdeckt werden. Viele Wiesengrashüpfer, die jetzt „Hochsaison“ haben, landeten kurzfristig im Lupen-glas.  Roesels Beißschrecke, die mit ihren gelbgrünen Wangenstreifen gut erkennbar ist und bei denen man durch die Legeröhre Weibchen und Männchen gut unterscheiden kann, war dabei und als wirklich seltene Kurzfühlerschrecke (Rote Liste 2) konnte die Sumpfschrecke gefunden werden, die letztes Jahr erstmals gesichtet worden war.

Als Nahrungsblütenpflanzen fanden sich die Luzerne, die Wilde Möhre, der Gemeine Hornklee, die Wegwarte, der Wilde Dost (Origanum) und die Schafgarbe sowie die Wiesenflockenblume und verschiedene Wiesengräser.
Die wilden Kirschpflaumen, die sich an den Hecken pflücken ließen, gaben frische Süße und überbrückten die Durststrecke zum Picknickplatz im Schatten von Streuobstbäumen.

Auch wenn die Vogelschar schon stiller geworden ist und  jetzt im Hochsommer erheblich weniger Individuen gesichtet wurden, konnten die Gruppen mit Fernglas und bloßem Auge und guten Ohren den Grün-specht, einen Kleinspecht, den Turmfalken, Ringeltauben auf den hohen alten Mostbirnenbäumen, einige  Rauchschwalben, die auf dem Römerhof brüten, die Mönchsgrasmücke, die in einem im letzten Jahr auf den Stock gesetzten Heckenabschnitt residierte und eindringlich mit lauten „tschick, tschick“ vor den „Störenfrieden“ warnte sowie die Kohlmeise, Haussperlinge, Distelfinken und natürlich Eichelhäher und Elstern und Krähen wahrnehmen.

Nach dem mittäglichen Picknick auf einer städtischen Streuobstwiese, wo auch die leckeren Bioäpfel aus Baiertaler Anbau und der Apfelsaft aus ökologischem Streuobstanbau der Region aus Glaspfandflaschen allen gut schmeckten, spielten Max und Margarete Menschenmemory mit Tierstimmen mit den Kindern und es durfte auch im Wettrennen Energie ausgetobt werden.  Danach war es schön und alle machten wunderbar mit, sich einige wenige Minuten ganz still ins Gras zu legen, die Augen zu schließen und den Geräuschen zu lauschen, die ringsum hörbar waren: vom Flugzeug über Vogelstimmen bis zum Fliegenbrummen und Windrauschen im Maisfeld reichten die akustischen Eindrücke.

Anschließend wurden die Geheimnisse um die große Expeditionskiste gelüftet: Mit Hilfe von Original -Anschauungsmaterialien wie z.B. Schädeln von Katze, Fuchs, Dachs, Nutria, Vogel, Vikunja, oder präparierten Tieren wie einem Feldhamster und einem Eichelhäher, der dem Umweltamt von einer Bürgerin gestiftet worden war, konnte Monika Stein den Kindern einige wichtige Merkmale wie den Unterschied zwischen Fleisch- und Pflanzenessern sowie tag- oder nachtaktiven Säugetieren verdeutlichen. Ihr Hund Platon, der ein treuer und viel gestreichelter Begleiter für die Kinder war, ließ sich brav live das Maul öffnen und seine Raubtierzähne bestaunen.

Der Krokodilschädel mit seinen spitzen Zähnen und ein schwergewichtiger Elefantenbackenzahn zeigten eindrücklich unterschiedliche Ernährungsweisen. Und alle Kinder wollten gerne „vom Krokodil gebissen“ werden und ihre Hand in das spitzzahnige Maul des Krokodilschädels hineinlegen. Als sensationell weich wurde auch das Fell der Mausohrfledermaus empfunden.

Abschließend galt es dann noch, das neu gelernte Wissen gleich zu nutzen und zwei Bögen mit einheimischen, in der Äußeren Helde vorkommenden Tieren und Gehölzen mit Namen benennen und beschriften zu können. Wissen und Geschichten über die Vögel der Äußeren Helde, Käfer und Heuschrecken gab es zum Mitnehmen nach Hause und Nachlesen oder auch Ausmalen.

Die drei Exkursionsbegleiter*innen waren angetan vom großen Interesse der Kinder an der Natur und hatten den Eindruck, viel Sinnvolles und Neues vermittelt zu haben. 

Sensibilisiert für unsere Umgebungsnatur, ausgetobt und fröhlich ging es heim.