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Stadtgärtnerei seit Wochen im Pflanzmodus

Am neu gestalteten Bachabschnitt des Waldangelbaches wurden die Bachböschungen mit heimischen Gehölzen bepflanzt. Das künftige Wohngebiet „Quartier am Bach“ wurde mit einer Baumreihe aus Zierapfelbäumen vom öffentlich nutzbaren Bereich abgegrenzt.

Durch den Ausfall ganzer Baumarten im Sortiment der städtischen Straßenbäume infolge von Baumkrankheiten und durch Folgeschäden aus den vergangenen extremen Hitze- und Dürresommern hat der öffentliche Baumbestand in Wiesloch erheblich gelitten und muss deshalb teilweise aufwendig nachgepflanzt werden.

So mussten im Wohngebiet „Häuseläcker“ von den vor fünfzehn Jahren gepflanzten Straßenbäumen zwischenzeitlich drei Viertel der Bäume ersetzt werden. Die damals gepflanzten Eschen sind durch das Eschentriebsterben stark geschädigt, die Mehlbeerbäume sind durch den Schillerporling befallen und viele Säulenhainbuchen zeigen Stammnekrosen durch intensive Sonneneinstrahlung. „Wir haben immer nur diejenigen Bäume entfernt und ersetzt, die irreparabel geschädigt waren, aber leider ist noch kein Ende dieser Entwicklung in Sicht“, so Meinrad Singler von der Fachgruppe Technische Dienste, Tiefbau und Umwelt. Man experimentiere jetzt mit Baumarten wie dem französischem Felsenahorn, der besser an die sommerlichen Hitze- und Trockenperioden angepasst sein soll, und versuche sich hier durch die Verwendung unterschiedlicher Arten möglichst breit aufzustellen. Besondere Sorgfalt gelte der Pflanzvorbereitung mit einem für den jeweiligen Standort geeigneten Pflanzsubstrat unter Zugabe von sogenannten Bodenhilfsstoffen, die das Bodenleben aktivieren sollen. Alle neu gepflanzten Bäume erhalten einen Drainage- und Gießring, um die spätere Bewässerung zur erleichtern und eine ausreichende Bodenbelüftung zu gewährleisten. Ein Schutzanstrich mit weißer Farbe auf den Baumstämmen reflektiere das Sonnenlicht und solle Verbrennungen an der Rinde durch intensive Sonneneinstrahlung verhindern. Trotz dieser umfangreichen Vorkehrungen würden die neu gepflanzten Bäume in den nächsten Jahren während Trockenzeiten regelmäßige Wassergaben und eine intensive Erziehungspflege benötigen, so die Verwaltung.
 
Am Waldangelbach wurden vor Weihnachten im Bereich der ehemaligen Wellpappe die neu hergestellten Uferbereiche durch das Gärtnereiteam bepflanzt. Dabei wurden rund 2.000 heimische Ufer- und Wasserstauden wie Schwertlilie, Gemeiner Dost und Blutweiderich als sogenannte Initialpflanzen eingebracht. Diese sollen sich in den kommenden Jahren durch gezielte Pflegemaßnahmen entwickeln und zusammen mit der Spontanvegetation eine artenreiche und standortgerechte Krautschicht entlang des Bachlaufes bilden. Die Uferbereiche wurden auf Lücke mit heimischen Sträuchern wie Pfaffenhütchen, Holunder und Haselstrauch, sowie standortheimischen Bäumen wie Silberweide, Feldahorn und auch Pyramidenpappel bepflanzt. Diese bilden somit ein Grundgerüst für die künftige Begrünung, die in den nächsten Jahren durch angeschwemmte und angewehte Gehölzsamen vom Bachoberlauf und aus der Umgebung ergänzt werden wird. Gegenüber der künftigen Wohnbebauung des Quartiers am Bach entstand eine Grünzäsur mit einer Baumreihe aus Zieräpfeln, die als Nektarspender für die Insektenwelt und als Blütenallee für die Besucher und künftig ihren Zauber entfalten soll.
 
Auch in den Stadtteilen wurden in den vergangenen Wochen viele Bäume und Sträucher nach- oder neugepflanzt. Um das Trafohäuschen am Lerchenweg in Frauenweiler wurden heimische Sträucher für die Insekten- und Vogelwelt in den Boden gebracht und beim Garten „Wurzelwerk“ am Hauptfriedhof wurden vier Obstbaumhochstämme gepflanzt, die künftig von den Mitgliedern des dortigen Gartenprojektes gepflegt und geerntet werden sollen. Im Bereich der Friedhofskapelle wurden Linden ersetzt und das islamische Gräberfeld wurde mit Zierkirschbäumen aufgewertet. Auf dem Alten Friedhof in Baiertal wurden mit Hilfe von Baumspendern eine Linde und eine Gleditschie gepflanzt und in Schatthausen wurden die beiden abgestorbenen Bäume an der kleinen Grünfläche an der evangelischen Kirche ersetzt.
 
Ebenfalls durch eine Spende wurden die zehn Bäume entlang der Parkplätze an der Johann-Philipp-Bronner Straße in Höhe der dortigen Grundschule finanziert. Immerhin rund 1.500 Euro konnte Rainer Kircher aus verschiedenen Einzelspenden aus seinem Projekttopf für diese Maßnahme zur Verfügung stellen. Elsbeere, Felsenahorn, Blumenesche und Rotahorn sind wichtige Blüten- und Pollenspender für die heimische Insektenwelt, sie sollen aber auch an dieser Stelle auf ihre Eignung für eine Begrünung des besiedelten Bereiches getestet werden. Rainer Kircher, der über die von ihm initiierten Pflanzaktionen stets genau Buch führt, hat ermittelt, dass in den vergangenen zwanzig Jahren auf diese Art bereits 115 „Spendenbäume“ in Wiesloch zusammengekommen sind.
 
Der Schulhof der Maria-Sibylla-Merian Grundschule wurde durch einen Schattenbaum in Form einer Silberlinde aufgewertet. Weitere Pflanzmaßnahmen zum Beispiel am Hochwasserrückhaltebecken Ochsenbachtal stehen in den nächsten Wochen an und werden das Pflanzteam der Stadtgärtnerei noch die nächsten Wochen auslasten.