Patenschaften für städtische Kleingrünflächen übernehmen: StadtverschönerInnen-Projekt

Heidrun Lüll und Dieter Schleich pflegen Flächen in der Gartenstraße.
Heidrun Lüll und Dieter Schleich pflegen ehrenamtlich Flächen in der Gartenstraße. | © Stadt Wiesloch

Wer Freude am naturnahen Gärtnern hat und aktiv zu mehr Grün im öffentlichen Raum beitragen möchte, kann im Rahmen des Projekts „StadtverschönerInnen“ eine Patenschaft für eine städtische Kleingrünfläche übernehmen.

Die Stadt Wiesloch lädt alle Bürgerinnen und Bürger herzlich dazu ein, sich an der Bepflanzung und langfristigen Pflege dieser Flächen zu beteiligen und so das Stadtbild – insbesondere in der eigenen Nachbarschaft – ökologisch aufzuwerten und mitzugestalten. Gegärtnert werden kann zum Beispiel auf Baumscheiben (also den unversiegelten Flächen um Stadtbäume herum), auf Grünstreifen an Gehwegen oder auf anderen bisher wenig genutzten Grüninseln im öffentlichen Raum. Ziel des Projekts ist nicht nur die Verschönerung dieser Flächen, sondern auch die Förderung der Artenvielfalt.

Besonders erwünscht sind daher standortgerechte und insektenfreundliche Pflanzen. Die konkrete Gestaltung der ausgewählten Patenfläche kann individuell erfolgen, zum Beispiel mit Stauden, Kräutern, Zwiebelpflanzen oder bienenfreundlichen Saatgutmischungen. Auch Insektenhotels, Vogelhäuschen oder Strukturelemente aus Totholz und Steinen können zur Unterstützung der Tierwelt gerne angebracht werden.
Die Patenflächen sind dabei sehr unterschiedlich: Während bei kleineren Baumscheiben häufig das regelmäßige Gießen des Baumes im Vordergrund steht, gibt es auch größere Flächen, die eigenständig gestaltet und bepflanzt werden können.

Aktuell gibt es rund 25 Patenflächen im Stadtgebiet. Zwei davon befinden sich im Stadtteil Baiertal, und in Frauenweiler entsteht derzeit eine weitere neue Patenfläche. Die Stadt begleitet das Engagement der Patinnen und Paten mit fachlicher Beratung, unterstützt bei der Auswahl geeigneter Flächen und stellt eine Plakette zur Kennzeichnung der übernommenen Fläche bereit.

Einblicke in die Praxis

Jana Krug aus dem Team für Umwelt- und Klimaschutz besuchte aktuell engagierte Patinnen und Paten, die bereits Grünflächen betreuen. Dabei wird deutlich, wie vielfältig die Gestaltungsmöglichkeiten sind und mit wie viel Engagement die Flächen gepflegt werden.
 
Ein Beispiel für das Engagement im Rahmen des Projekts ist die Patenfläche von Robert Schweisthal und seiner Familie am Rand des Fahrradwegs nach Dielheim entlang des Bahnwegs. Während dort im Frühjahr ursprünglich nur Osterglocken und Narzissen blühten, war es der Familie wichtig, die Fläche so zu gestalten, dass sie über das ganze Jahr hinweg attraktiv und lebendig bleibt. Nach Rücksprache mit der Stadt hat die Familie daher in diesem Jahr ein Konzept entwickelt, das sowohl optisch ansprechend als auch insektenfreundlich ist. Mit viel Eigeninitiative hat die Familie die Fläche neu gestaltet: Neben Stauden, Lavendel, Rosmarin und Schleifenblumen wurde auch eine Trockenmauer angelegt, die inzwischen Lebensraum für Eidechsen bietet. Eine kleine Totholz-Hecke ergänzt das Angebot für die Tierwelt, und auch den Bienen von einem Imker in der Nachbarschaft kommt die Fläche bei der Nahrungssuche zugute. Die Pflege wird innerhalb der Familie aufgeteilt – auch der Sohn unterstützt bei den anfallenden Arbeiten. Die Auswahl der Pflanzen liegt vor allem in den Händen von Frau Schweisthal, die großen Wert auf eine vielfältige und bienenfreundliche Bepflanzung legt. Perspektivisch sollen auch Sonnenblumen das Bild bereichern.
Die Patenfläche wird von der Öffentlichkeit sehr positiv wahrgenommen: Radfahrerinnen und Radfahrer sowie Spaziergänger bleiben stehen, betrachten die Bepflanzung und informieren sich über das Projekt – nicht zuletzt auch über das Hinweisschild vor Ort. Für die Familie steht dabei ein Gedanke im Mittelpunkt: einen Ort zu schaffen, der für alle schön ist und zum Verweilen einlädt.

Robert Schweisthal an "seiner" Fläche am Bahnweg, und Jana Krug zusammen mit Christa Jenner in der Gartenstraße.
Robert Schweisthal an "seiner" Fläche am Bahnweg, und Jana Krug zusammen mit Christa Jenner in der Gartenstraße. | © Stadt Wiesloch

Ein weiteres Beispiel sind die Patenflächen von Dieter Schleich und Heidrun Lüll in der Gartenstraße. Die erste Fläche wird bereits seit 2022 gepflegt, eine zweite kam später ergänzend hinzu.
Bei der Gestaltung setzen die beiden bewusst auf Nachhaltigkeit und Einfachheit: Viele Pflanzen stammen aus Ablegern aus dem eigenen Garten. So zeigt sich, dass man sich für eine ansprechende und naturnahe Bepflanzung nicht in große Unkosten stürzen muss. Gepflanzt wurden unter anderem Kräuter wie Rosmarin und Lavendel sowie Ranunkeln – alles bewusst bienenfreundlich und standortgerecht ausgewählt. Ergänzt wird die Fläche durch einen Nistkasten an einer Kastanie mitten in der Pflanzfläche sowie durch einen Steinhaufen, der Eidechsen einen geschützten Lebensraum bietet. Auch mit Totholz wurde die Fläche angereichert – dieses wird bereits rege von Holzbienen genutzt, welche in das alte Holz Gänge zur Anlage von Brutzellen nagen.
Die Pflege der Fläche erfolgt dabei weitgehend naturnah, mit vergleichsweise geringem Aufwand und unter Berücksichtigung des natürlichen Jahresrhythmus des Pflanzen. Verblühte Stauden werden nicht sofort zurückgeschnitten, sondern bewusst stehen gelassen, da hohle Stängel und trockene Pflanzenteile Insekten Schutz und Überwinterungsmöglichkeiten bieten.
Anfangs begegneten einzelne Passantinnen und Passanten sowie Anwohnende der Umgestaltung noch mit Skepsis. Inzwischen hat sich die Wahrnehmung jedoch deutlich gewandelt: Die Fläche wird respektiert und wertgeschätzt. Ein kleiner Zaun hilft zusätzlich dabei, die Bepflanzung zu schützen und ihr die nötige Zeit zu geben, sich zu entwickeln.
 
Auch Christa Jenner engagiert sich mit viel Hingabe für eine Patenfläche in der Schwetzinger Straße. Die kleine Baumscheibe gehört zu den ersten Flächen des Projekts – sie ist bereits seit 2021 dabei.
Gerade in trockenen Phasen zeigt sich, wie wichtig die kontinuierliche Pflege ist: Regelmäßiges Gießen gehört für Frau Jenner selbstverständlich dazu. Mit viel Geduld und Freude lässt sie die Fläche Stück für Stück wachsen und sich entwickeln.
Bei der Bepflanzung setzt sie auf Natürlichkeit und Insektenfreundlichkeit. Lavendel – teilweise selbst gezogen –, Zitronenmelisse und Kornblumen prägen das Bild. Vieles wird ausgesät und darf sich frei entfalten, ganz nach dem Motto: „Es wächst, was kommt.“
So entsteht nach und nach eine lebendige, naturnahe Fläche, die nicht nur Bienen und Insekten anzieht, sondern auch Vögeln einen kleinen Rückzugsort bietet.
 
Wenn Sie Interesse haben, Teil des Projekts zu werden, freut sich die Umweltstelle der Stadt Wiesloch über Ihre Kontaktaufnahme:
E-Mail: umweltschutz@wiesloch.de
Telefon: 06222 84-4980

Ins Leben gerufen wurde das Projekt „StadtverschönerInnen“ im Jahr 2021, wesentlich auf die Initiative von Gemeinderätin Gabriela Lachenauer, um das ehrenamtliche Engagement der Bürgerinnen und Bürger, die die Stadtgärtnerei bei ihrem täglichen Einsatz für ein attraktives Stadtbild unterstützen, gezielt zu würdigen und zu fördern.
Weitere Informationen sowie Hinweise zur Bepflanzung und Pflege der Flächen siehe Seite StadtverschönerInnen-Projekt.
 
Auch auf dem Festival for Future, das am 20. Juni im Gerbersruhpark stattfindet, besteht die Möglichkeit, sich am Stand des städtischen Teams für Umwelt- und Klimaschutz persönlich zu dem Projekt zu informieren.