Hochwasserschutz

Die bachaufwärts liegenden Gewässerabschnitte zweiter Ordnung von Leimbach und Waldangelbach werden seit mehreren Jahren gemäß des Hochwasserschutzkonzeptes der Stadt Wiesloch saniert und hochwassersicher ausgebaut. 

Stark gefüllter Leimbach entlang der Schwetzinger Straße.
Stark gefüllter Leimbach entlang der Schwetzinger Straße. | © Stadt Wiesloch

Die Aufgabe zum Ausbau und Ertüchtigung der Gewässer hat die Stadt Wiesloch dem Abwasser- und Hochwasserschutzverband (AHW) übertragen. Das Land wiederum bezuschusst den Gewässerausbau im Rahmen des Hochwasserschutzes mit 70 % der anrechenbaren Kosten. Der AHW hat in Abstimmung mit der Verwaltung die Entwurfsplanung für den Gewässerabschnitt Leimbach durch die Ingenieurgemeinschaft Oberes Leimbachtal – Waldangelbachtal erarbeiten lassen.

Aktuelle Maßnahmen

Fertiggestellt: Maßnahmen des AHW zum Hochwasserschutz im Einklang der Natur

Voller Leimbach in Altwiesloch, unterhalb dem neuen Hochwasserrückhaltebecken.
Voller Leimbach in Altwiesloch, unterhalb dem neuen Hochwasserrückhaltebecken. | © Stadt Wiesloch

Die schlimmen Hochwasser der letzten Jahre gingen nicht von den großen Flüssen aus, sondern von kleinen, unscheinbaren Gewässern. Viele erinnern sich noch an das dramatische Hochwasser, das im Juli 1969 Rauenberg und den Raum Wiesloch heimsuchte. Weitere, schwere Unwetter mit Hochwasser folgten und wieder traf es in einem unerwarteten Ausmaß den Kraichgau mit seinen Bächen Leimbach, Waldangelbach, Tairnbach, Gauangelbach, Maisbach, Krebsbach und Ochsenbach. Diese einschneidenden Ereignisse veranlassten den Abwasserverband Leimbach-Angelbach (jetzt Abwasser- und Hochwasserschutzverband Wiesloch), im Jahr 2004, zu den Aufgaben der Abwasserentsorgung und -reinigung, die Aufgabe des Hochwasserschutzes zu übernehmen. Mit Hochwasserrückhaltebecken (HRB) versucht der Mensch, die Hochwassergefahren in den Griff zu bekommen.

Nacheinander sind seit 2007 zusätzlich zum HRB Mühlhausen die Hochwasserrückhaltebecken in Dielheim-Baiertal, Hohenhardter Hof, Dielheim-Unterhof, Gauangelloch, Maisbachtal, Ochsenbachtal, Schatthausen und Horrenberg gebaut und umgebaut (HRB Mühlhausen) worden. Mit der Fertigstellung des 10ten und letzten HRBs in Wiesloch hat der AHW nunmehr das Hochwasserschutzprogramm in Bezug auf den Bau von HRBs abgeschlossen. Zur Vervollständigung des Hochwasserschutzprogramms stehen in den kommenden Jahren lediglich noch 4 Gewässerausbauten am Leimbach, in Wiesloch, Dielheim und Horrenberg zur Realisierung an.

Massive, in den Bachlauf eingerammte Baumstämme halten das Einlaufbauwerk frei von Treibholz und angeschwemmten Gegenständen.
Massive eingerammte Baumstämme halten das Einlaufbauwerk frei von Treibholz und angeschwemmten Gegenständen. | @ Stadt Wiesloch

Beim Bau des HRB Wiesloch galt es zu beachten, dass das geplante Hochwasserrückhaltebecken mitten durch ein Naturschutzgebiet führt. Das neuentstandene HRB liegt direkt an der L612 zwischen Altwiesloch und Dielheim. Es hat ein Einstauvolumen von 53.500 m³, das im Notfall das Wasser aufstaut. Bei sinkenden Pegelständen kann das Wasser dann langsam und reguliert wieder seinen natürlichen Weg durch das Bachbett nehmen. Aus Platzgründen ergab sich eine bauliche Besonderheit in Wiesloch gegenüber den übrigen Hochwasserrückhaltebecken im Verbandsgebiet. Es wurde ein rein mechanisches Wehr mit integriertem Schwimmer eingebaut, der sobald das Wasser ansteigt und das Stauziel erreicht ist, „aufschwimmt“ und das Wehr stromlos öffnet, sodass die Wassermengen im Falle der Entlastung direkt unter dem Wehr durchströmen können. Das heißt, der Damm wird nicht von den Wassermengen überströmt.

Wie an allen Hochwasserrückhaltebecken sollen flussbauliche Maßnahmen einen wirksamen Hochwasserschutz für Menschen und Stadt sicherstellen. Der Leimbach wird in seinem Bachbett gehalten und ist nicht nur Lebensader der Natur mit vielfältigen Lebensbedingungen für Fische, Kleinlebewesen und Wasserpflanzen sondern bringt auch den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt und den angrenzenden Gemeinden Sicherheit und eine Aufwertung entlang des Bachufers. Der Radweg führt weiterhin durch das Naturschutzgebiet, entlang es Baches.
Der zeitliche Rahmen des Baus wurde folgendermaßen abgesteckt: Im Januar 2020 wurde die Maßnahme in einer Infoveranstaltung mit Öffentlichkeitsbeteiligung vorgestellt. Die Dauer des wasserrechtlichen Verfahrens für das Hochwasserrückhaltebecken betrug ca. zwei Jahre, die Prüfung der Umweltverträglichkeit erfolgte, bis im Jahr 2022 nach der Räumung der Kleingärten mit dem Bau begonnen werden konnte. Die Fertigstellung und Abnahme erfolgte schließlich im März 2025.

Infotafeln am Bauwerk informieren über das HRB "Wiesloch" und den Einzugsbereich.
Infotafeln am Bauwerk informieren über das HRB "Wiesloch" und den Einzugsbereich. | @ Stadt Wiesloch

Der finanzielle Aufwand für den Bau des Hochwasserrückhaltebeckens Wiesloch liegt bei rund 6,2 Mio. Euro inklusive der Ausgleichsmaßnahmen, wobei das Land Baden-Württemberg davon 70 Prozent (4,27 Mio. €) trägt. 

Mit Fertigstellung des HRB Wiesloch ist im gesamten Verbandsgebiet nunmehr ein Schutz gegen ein hundertjähriges Hochwasser gewährleistet. In die Berechnung wurde ein Klimaänderungsfaktor von 15 Prozent wegen der Erderwärmung eingearbeitet. Jetzt, nach Fertigstellung aller HRBs wird eine Masse von über 1 Million Kubikmeter Niederschlagswasser gepuffert. Das kommt im Oberen Leimbachtal und im Waldangelbachtal schnell zusammen. Die Schwierigkeit bestand auch darin, innerhalb der dichtbesiedelten Landschaft Freiflächen für derartige Vorhaben zu finden. Insgesamt umfasst das Einzugsgebiet des Leimbach Oberlaufs eine Fläche von 59 Quadratkilometer. Den massiven Erdbewegungen sieht man nicht an, dass umfangreiche hydraulische Modellversuche und Szenarien des Instituts für Wasserwirtschaft der Universität Karlsruhe den Baumaßnahmen vorausgegangen waren. Niederschlagsprofile, 100-jähriges Hochwasser sowie Klimafaktoren sind mit in die computergestützten Auswertungen eingeflossen.

Trotz vieler Geschädigter seit den großen Hochwasserereignissen gab es nicht nur Befürworter der Hochwasserschutzprojekte. Der AHW musste bei der Bevölkerung vor und während der Bauarbeiten viel Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit leisten. Insgesamt wurden im Rahmen des Hochwasserschutzprogramms des AHW bisher rund 40 Mio. Euro für den Bau von Hochwasserrückhaltebecken und Gewässerausbauten investiert. Das Land Baden-Württemberg hat sich daran mit Zuwendungen in Höhe von rund 70 % (rund 27 Mio. €) beteiligt. Die restlichen 30 % (rund 13 Mio. €) wurden von den 5 Mitgliedsgemeinden Wiesloch, Dielheim, Rauenberg, Mühlhausen und Leimen übernommen.

Die Hochwassergefahr können wir zwar auch morgen nicht bannen, doch die Schäden eines Hochwasserereignisses lassen sich begrenzen durch eine ganzheitliche und gemeinsame Vorsorge. Wir sind auf einem guten Weg: mit klugem Flächenmanagement und der weitergehenden Hochwasservorsorge wie auch dem technischen Hochwasserschutz.
Die Erfolge in der kurzen Zeit nach Fertigstellung der Hochwasserrückhaltebecken beweisen das.

Alles was den AHW sonst noch bewegt, wie aktuelle Projekte auf der Kläranlage oder Baumaßnahmen zum Hochwasserschutz sind auf der website www.ahw-wiesloch.de zu finden. Seit 1.4.2025 in neuem Look. Hier gibt es viele Tipps für die Bürger, Jobangebote, Hinweise zu aktuellen Veranstaltungen. Links zur Wasser- und Abwasserwirtschaft und vieles mehr. Es lohnt sich vorbeizuschauen und einen virtuellen Rundgang über die Kläranlage zu machen oder sich inspirieren zu lassen, völlig geruchsneutral aber barrierefrei.

Presseinfo des AHW von Juli 2025.

Fertiggestellt: Ausbau des Leimbachs zwischen Mündung Waldangelbach und Brücke "In den Weinäckern"

Gruppenfoto zur Eröffnung mit Regierungspräditentin Felder, OB Elkemann, BM Renschler, Landtagsabgeordneten und Kindern einer benachbarten Kita..
Feierliche Eröffnung am Leimbach. | © Stadt Wiesloch

Feierliche Einweihung der Maßnahme am Leimbach
Der Landesbetrieb Gewässer im Regierungspräsidium Karlsruhe hat den Ausbau des Leimbach-Oberlaufs in Wiesloch fertiggestellt. Damit wird in diesem Abschnitt der Hochwasserschutz auf ein 100-jährliches Schutzniveau verbessert und die Gewässerökologie aufgewertet.

Regierungspräsidentin Sylvia M. Felder und Oberbürgermeister Dirk Elkemann übergaben am 18. März 2026 den neugestalteten Leimbach-Abschnitt der Öffentlichkeit. Regierungspräsidentin Sylvia M. Felder: "Angesichts zunehmender Wetterextreme ist ein moderner Hochwasserschutz unverzichtbar. Die Maßnahme M3.3 ist ein technisches Meisterstück: Wir haben auf engstem Raum im Stadtgebiet den Hochwasserschutz gewährleistet und gleichzeitig die ökologische Durchgängigkeit des Flusses wiederhergestellt."

Neu modulierter Bachlauf, mit Totholz und Sitzstufen.
Neu modulierter Bachlauf, mit Totholz und Sitzstufen. | © Stadt Wiesloch

Der Landesbetrieb Gewässer startete die Bauarbeiten im Oktober 2023. Das Projektgebiet erstreckt sich über 1,4 Kilometer von der Brücke „In den Weinäckern“ bis zur Einmündung des Waldangelbachs. Die Maßnahme erfüllt dabei eine Doppelfunktion: Sie ist ein wichtiger Baustein der Hochwasserschutzkonzeption am Leimbach, bei dem die Hochwasserschutzdämme ertüchtigt und abschnittsweise durch Hochwasserschutzmauern ergänzt wurden, um den Schutz der Menschen in Wiesloch zu gewährleisten.

Neben der Sicherheit stand außerdem die Gewässerökologie im Fokus. Die Durchgängigkeit des Leimbachs für Fische und Kleinstlebewesen im Gewässer wurde hergestellt. Dafür wurde der Pegel umgebaut und das ehemalige Postmühlenwehr abgerissen – hier befindet sich jetzt eine sogenannte „Raue Rampe“. In Teilbereichen wurde das Gewässer zusätzlich aufgeweitet.

Im Gewässerbett sorgen sogenannte Instream-Maßnahmen – wie der Einbau von Totholz, Buhnen und Kiesbänken – für dynamische Strömungsverhältnisse und neue Lebensräume. Damit das Gewässer auch für die Menschen in Wiesloch erlebbar wird, wurde an einigen Stellen der Fußweg nah an das Flussbett herangeführt.

Zahlreiche neu gepflanzte Bäume säumen den Leimbach.
Zahlreiche neu gepflanzte Bäume säumen den Leimbach. | © Stadt Wiesloch

Regierungspräsidentin Sylvia M. Felder: "Der Leimbach rückt wieder näher an die Menschen in Wiesloch heran. Durch die neuen Zugänge und die naturnahe Gestaltung lädt der Leimbach zum Verweilen ein. Wir gewinnen hier ein echtes Stück Lebensqualität mitten in der Stadt zurück."

Die Gesamtkosten der Maßnahme belaufen sich auf rund 11,5 Millionen Euro. Dabei trägt das Land Baden-Württemberg 70 % der Kosten. Die Kommunen Wiesloch und Walldorf beteiligen sich zu je 15 %.
Die verschiedenen Projektbestandteile werden auf der neuen Info-Tafel am Leimbach an der Wiese neben dem Haus Kurpfalz dargestellt und erläutert.

Hintergrund:
Die Maßnahme 3.3 steht im Kontext mit anderen Teilmaßnahmen der Leimbach-Hardtbach-Projekte

Für die flussabwärts folgenden Abschnitte M3.1 und M4 liegen bereits rechtskräftige Planfeststellungsbeschlüsse vor.
Bei der Maßnahme M3.1 soll nun im Laufe des Jahres mit der Erstellung der Ausführungsplanung und der Bauvorbereitung begonnen werden.
Im Bereich der Maßnahme M4 laufen aktuell Reparaturen an zwei Teilabschnitten der Leimbachböschungen in St Ilgen (Stadt Leimen). In Abhängigkeit von den Witterungsbedingungen ist es nach aktuellem Bauzeitenplan vorgesehen, die Reparaturarbeiten an diesen Leimbachabschnitten bis Ende März abzuschließen. Aufbauend auf dem Planfeststellungsbeschluss und in Abstimmung mit den Kommunen kann der Hochwasserschutz auch in diesem Leimbachabschnitt – unter Berücksichtigung der Personal- und Finanzressourcen des Landes – in den kommenden Jahren weiter verbessert werden. Eine konkrete Terminierung (Baustart und Bauzeit) ist zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht möglich.

Pressemitteilung des Regierungspräsidiums vom März 2026.

Ausbau des Leimbachs zwischen "Auf der Insel" und Uferstraße

Das Plangebiet beginnt unmittelbar an dem oberhalb fertiggestellten Abschnitt in der Ortsmitte von Wiesloch. Der geplante Ausbau verläuft entlang der Bachgasse zwischen der Brücke „Grüner Baum“ und der Brücke „Auf der Insel“ (Höhe Froschgasse). Insgesamt befinden sich im geplanten Ausbauabschnitt drei städtische Brücken und eine private Brücke. Die Holzbrücke „Auf der Insel“ wird im Zuge des Ausbaus erneuert und verbreitert. Die geplante Verbreiterung der Brücke von 1,50 m auf 3,00 m wird eine Verbesserung für den Rad- und Fußverkehr darstellen. Die vorhandenen Uferwände werden saniert und statisch ertüchtigt, um anschließend Naturblocksteine auf die Uferwände zu setzen. So wird die erforderliche Höhe für die berechnete Überstauung des Leimbachs erreicht.
Die Planung befindet sich aktuell zur Genehmigung beim Wasserrechtsamt. Im nächsten Schritt wird dann die Ausschreibung vorbereitet. Der Ausbau wird frühestens 2026 stattfinden, sofern die Genehmigung zeitnah erteilt wird. 
Lageplan 1 - Uferstraße (PDF | 472 KB)
Lageplan 2 - Auf der Insel (PDF | 532 KB)
Querprofile 13 bis 17, als Beispiel für diesen Abschnitt (PDF | 261 KB)

Abwasser- und Hochwasserschutzverband Wiesloch

Der Abwasser- und Hochwasserschutzverband Wiesloch, kurz AHW, treibt den Ausbau und Neubau von Hochwasserrückhaltebecken voran, sowie Gewässeraus- und -umbauten inklusive Renaturierungsmaßnahmen. Ziel dieser Renaturierungsmaßnahmen ist es, neben wirksamem Hochwasserschutz naturnahe Fließgewässerstrukturen wieder herzustellen und einen guten ökologischen Gewässerzustand zu erreichen.

Auf der Internetseite des AHW, www.ahw-wiesloch.de, finden sich ausführliche Informationen zu den aktuellen Maßnahmen und zum Hochwasserschutz allgemein.

Hochwassergefahrenkarten

Hochwassergefahrenkarte 

(Die freigegebenen Dokumente sind dann über die HWRM-Abfrage (i-Button) verfügbar.)

Hochwassergefahrenkarten: Folgen für das Baurecht

Das Wassergesetz des Landes (WG) in Verbindung mit dem Wasserhaushaltsgesetz des Bundes (WHG) erlaubt das Bauen in hochwassergefährdeten Gebieten sowohl im Außenbereich als auch innerhalb der Siedlungsbereiche nur noch unter sehr strikten Bedingungen. Dadurch wird die Ausweisung von neuem Bauland, aber auch die Innenentwicklung erheblich gehemmt. 

Wenn im Einzugsbereich von Leimbach, Gauangelbach und Waldangelbach alle derzeit geplanten Maßnahmen des Hochwasserschutze, die der Abwasser- und Hochwasserschutzverband für die Gewässer zweiter Ordnung und das Land für den Leimbachunterlauf in der Planung und teilweise bereits im Genehmigungsverfahren haben, geht die Verwaltung davon aus, dass die derzeit bestehenden Restriktionen im Innenbereich der Ortslagen von Wiesloch, Baiertal und Schatthausen wieder wegfallen werden.
Ein hundertjährlicher Hochwasserschutz ist auf den Gemarkungen Wiesloch, Baiertal und Schatthausen aber erst dann gegeben, wenn alle bisherigen Maßnahmen vernetzt, die drei noch fehlenden Rückhaltebecken in Altwiesloch und am Ochsenbach und am Gauangelbach in Schatthausen gebaut sind. Dazu kommen noch die Gewässerausbauten am Leimbach und Waldangelbach in der Ortslage von Wiesloch bis zum Hochwasserrückhaltebecken an der Gemarkungsgrenze zu Nußloch.

Hochwassergefahrenkarten: Zum Hintergrund

Im Gesetz zur Ordnung des Wasserhaushalts (WHG) des Bundes vom 31.07.2009 sind die Rahmenrichtlinien für die Ländergesetzgebungen vorgegeben. Das Wassergesetz (WG) für Baden-Württemberg vom 03.12.2013 hat zum 22.12.2013 Rechtsgültigkeit erlangt. Die §§ 29 und 65 WG (Gewässerrandstreifen und Überschwemmungsgebiete) beziehen sich deshalb direkt auf die §§ 38 bzw. 76 und 78 WHG.
 
§ 29 WG Gewässerrandstreifen
Der Gewässerrandstreifen ist im Außenbereich zehn Meter und im Innenbereich fünf Meter breit. Breitere oder schmalere Gewässerrandstreifen kann die Gemeinde im Innenbereich im Einvernehmen mit der Wasserbehörde durch Rechtsverordnung festlegen. Im Außenbereich kann die Wasserbehörde entsprechende Abweichungen festlegen. Im Bereich der Gewässerrandstreifen ist u.a. die Errichtung baulicher und sonstiger Anlagen verboten, soweit sie nicht standortgebunden oder wasserwirtschaftlich erforderlich sind. Ebenfalls nicht zulässig ist die Nutzung als Ackerland in einem Bereich von fünf Metern ab dem 01.01.2019.
 
§ 65 WG Überschwemmungsgebiete
Als festgesetzte Überschwemmungsgebiete gelten, ohne dass es einer weiteren Festsetzung bedarf,
1. (….)
2. Gebiete, in denen ein Hochwasserereignis statistisch einmal in 100 Jahren zu erwarten
ist.
3.(….)
 
Die Überschwemmungsgebiete werden in Karten mit deklaratorischer Wirkung eingetragen.
 
Die Wasserbehörde, vertreten durch das Regierungspräsidium Karlsruhe, hatte den Auftrag zur Erstellung von Hochwassergefahrenkarten, Hochwasserrisikokarten und Hochwasserrisikobewertungskarten für die Gewässer erster und zweiter Ordnung auf den Gemarkungen Wiesloch, Baiertal und Schatthausen an private Ingenieurbüros erteilt, die auf Grundlage vorliegender Daten und aktueller Geländeaufnahmen diese Karten erstellt und visualisiert haben. Während die Karten für den Bereich unterhalb des Zusammenflusses von Leimbach und Waldangelbach bereits im vergangenen Jahr zunächst zur Plausibilisierung an die Verwaltung weiter geleitet und erst danach veröffentlicht wurden, befinden sich die Karten für die Oberläufe der Gewässer noch in der sogenannten Plausibilisierungsphase und sind deshalb bisher nicht öffentlich zugänglich. Gleichwohl besitzen sie deklaratorische Wirkung, d.h. sie haben bereits Rechtsgültigkeit, obwohl der Rechtsakt der Feststellung und Veröffentlichung noch nicht erfolgt ist.
 
In § 78 WHG sind die Besonderen Schutzvorschriften für festgesetzte Überschwemmungsgebiete mit Rechtsfolgen für die Bauleitplanung und für die Errichtung von Einzelbauvorhaben geregelt.
 
Rechtsfolgen für die Bauleitplanung
Die Ausweisung neuer Baugebiete in Bauleitplänen (Bebauungsplan/Flächennutzungsplan) oder sonstigen Satzungen nach dem BauGB ist in festgesetzten Überschwemmungsgebieten grundsätzlich untersagt. Bei Verstoß ist der Bauleitplan nichtig, da er gegen höherrangiges Recht verstößt.
 
Wenn folgende, eng auszulegende Voraussetzungen nach § 78 Abs. 2 WHG (kumulativ) erfüllt sind, kann die Ausweisung neuer Baugebiete ausnahmsweise zugelassen werden:
 
1. Alternativlose Siedlungsentwicklung
2. Angrenzendes Baugebiet
3. Keine Gefährdung von Leben, Gesundheit und Sachen
4. Keine nachteilige Veränderung von Hochwasserabfluss und Wasserstand
5. Keine Beeinträchtigung der Hochwasserrückhaltung sowie Ausgleich des verloren gehenden Rückhalteraums
6. Keine Beeinträchtigung des bestehenden Hochwasserschutzes
7. Keine Beeinträchtigung von Ober- und Unterlieger
8. Berücksichtigung der Belange der Hochwasservorsorge
9. Keine Gefahr für Bauvorhaben (hochwasserangepasstes Bauen)
 
Rechtsfolgen für Einzelvorhaben
Die Errichtung oder Erweiterung baulicher Anlagen ist in festgesetzten Überschwemmungsgebieten grundsätzlich untersagt. Eine Genehmigung kann ausnahmsweise erteilt werden, wenn im Einzelfall das Vorhaben
 
1. die Hochwasserrückhaltung nicht oder nur unwesentlich beeinträchtigt und der Verlust von verloren gehendem Rückhalteraum zeitgleich ausgeglichen wird,
2. den Wasserstand und den Abfluss bei Hochwasser nicht nachteilig verändert,
3. den bestehenden Hochwasserschutz nicht beeinträchtigt und
4. hochwasserangepasst ausgeführt wird.
Die Ziffern 1 bis 4 gelten hier kumulativ!
 
Einrichtung eines Hochwasserschutzregisters
In § 65 Abs. 3 WG ist ausgeführt, dass der zeitgleiche Verlust von verlorengegangenem Rückhalteraum über ein Hochwasserschutzregister erfolgen kann, dem kommunale Maßnahmen zur Schaffung von Rückhalteraum zum Ausgleich zu Grunde liegen. Das Hochwasserschutzregister führt die Gemeinde. Durch Satzung sind dabei das Anlegen und Führen des Registers, die Durchführung des Ausgleichs im Einzelfall und die Kostenerstattung zu regeln.
So lange nicht alle vorgesehenen Hochwasserschutzeinrichtungen am Oberlauf von Leimbach und Waldangelbach, sowie auf der Gemarkung Wiesloch realisiert sind, wird sich in Wiesloch und den Ortsteilen kein 100-jährlicher Hochwasserschutz nachweisen lassen, so dass entlang der Gewässer mehr oder weniger große Flächen unter die o.g. Restriktionen fallen. Deshalb muss es das vordringliche Ziel der Stadt sein, die teilweise schon planfestgestellten oder noch in der Planung befindlichen Maßnahmen zügig zur realisieren. Das Führen eines Hochwasserschutzregisters zum Ausgleich von verloren gehendem Rückhalteraum kann Engpässe bei der Bauleitplanung und völlige Bauverbote in festgesetzten Überschwemmungsgebieten verhindern helfen. Das Instrument bedarf jedoch eines zeitlichen Vorlaufs, es erfordert einen erheblichen bürokratischen Aufwand und die Vorfinanzierung von Maßnahmen durch die Kommune.

Hochwasser 2016 in Baiertal

Überfluteter Brückenwaageplatz
Brückenwaageplatz | © Stadt Wiesloch
Überflutete Schatthäuser Straße
Schatthäuser Straße | © Stadt Wiesloch
Der Angelbach tritt über die Ufer und überflutet die Alte Bahnhofstraße.
Alte Bahnhofstraße | © Stadt Wiesloch

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