Spatenstich für PV-Freiflächenanlage Grumbwiesen
Stadt und Stadtwerke Wiesloch bringen erneuerbare Energieerzeugung voran – Solarstrom und Artenschutz werden auf einer Fläche miteinander verbunden.
Mit einem Spatenstich haben die Stadt Wiesloch und die Stadtwerke Wiesloch den Startschuss für die geplante Photovoltaik-Freiflächenanlage Grumbwiesen gegeben. Auf einer rund 2,6 Hektar großen Fläche zwischen dem Gewerbe- und Industriegebiet „Großer Stadtacker“ und dem Ortsteil Frauenweiler soll künftig Solarstrom erzeugt werden. Das Besondere an dem Projekt: Die Nutzung für erneuerbare Energien wird mit Maßnahmen zum Natur- und Artenschutz verbunden.
„Ein Solarprojekt bei diesem Wetter vorzustellen, macht Spaß. Ich freue mich sehr, dass wir tatsächlich den Startschuss geben“, sagte Oberbürgermeister Dirk Elkemann beim Spatenstich. Das Projekt habe eine große Bedeutung für die Energiewende und zeige, dass die Stadt beim Klimaschutz ins Tun komme. Denn Klimaschutz sei kein Selbstläufer. Gerade bei solchen Vorhaben gebe es in der Planungsphase immer wieder Widrigkeiten, Schwierigkeiten und unterschiedliche Interessen, die berücksichtigt und bearbeitet werden müssten.
Umso größer sei die Freude, nun tatsächlich mit dem Projekt zu beginnen. Elkemann dankte den beteiligten externen Partnern und blickte voraus: Er freue sich darauf, wenn die Tische mit den Solarmodulen bald stehen. Der Anfang werde voraussichtlich Anfang 2027 sichtbar sein.
Die Anlage ist das erste von insgesamt vier Projekten, die sich bei den Stadtwerken in der Pipeline befinden und nun tatsächlich realisiert werden sollen. Die lange Planungsphase verdeutliche, dass geeignete Flächen häufig bereits mit anderen Themen und Anforderungen belegt seien, die zunächst geklärt werden müssten, bevor die eigentliche Planung beginnen könne. Die PV-Freiflächenanlage Grumbwiesen sei damit ein nach außen sichtbares Zeichen dafür, dass sich Wiesloch weiter in Richtung Klimaschutz aufmache. Weitere Anlagen der Stadtwerke Wiesloch sollen folgen.
Rund 2,3 Megawattpeak Leistung geplant
Auf der Fläche sollen rund 3.500 Solarmodule installiert werden. Diese werden auf sogenannten Modultischen montiert, die etwa einen Meter über dem Boden beginnen und bis zu drei Meter in die Höhe reichen. Die geplante Anlage hat eine Leistung von rund 2,3 Megawattpeak. Jährlich sollen etwa 2,49 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugt werden.
Das entspricht rechnerisch dem jährlichen Strombedarf von rund 650 Vierpersonenhaushalten in Einfamilienhäusern bei einem durchschnittlichen Verbrauch von 3.800 Kilowattstunden pro Haushalt ohne elektrische Warmwasserbereitung. Der erzeugte Solarstrom wird vollständig in das öffentliche Stromnetz eingespeist.
Nach den vorliegenden Berechnungen können dadurch jährlich rund 1.174 Tonnen CO₂ vermieden werden. Die geplanten Gesamtkosten für das Projekt betragen 1,75 Millionen Euro netto.
Klimaschutz und Artenschutz gemeinsam denken
Eine Besonderheit des Standorts Grumbwiesen ist die Verbindung der Solarstromerzeugung mit artenschutzrechtlichen Ausgleichsmaßnahmen. Die Fläche soll künftig nicht nur der Energiegewinnung dienen, sondern zugleich Lebensräume für geschützte Eidechsen sichern.
Im nördlichen Teilbereich bleibt der Lebensraum der dort vorkommenden Mauereidechsen erhalten. Auf der südlichen Teilfläche wird ein Ersatzlebensraum für Zauneidechsen geschaffen. Diese müssen im Zusammenhang mit dem geplanten Radweg im Bereich des Bebauungsplans „HDM Digital Campus“ umgesiedelt werden.
Dass sich ein Solarpark und damit Klimaschutz auf diese Weise mit Natur- und Artenschutz vereinbaren lassen, sei nicht selbstverständlich, betonten die Fachleute beim Spatenstich. Dies gelte umso mehr, wenn gleichzeitig zusätzliche ökologische Aufwertungen umgesetzt werden. Durch die kombinierte Nutzung können unterschiedliche Anforderungen auf derselben Fläche erfüllt werden, ohne für den vorgesehenen artenschutzrechtlichen Ausgleich zusätzliche landwirtschaftliche Flächen in Anspruch nehmen zu müssen.
Damit ausreichend Sonnenlicht den Boden erreicht, werden die Modulreihen mit einem Abstand von 4,10 Metern angeordnet. So sollen mindestens 2,50 Meter breite, besonnte Streifen erhalten bleiben, die wichtige Voraussetzungen für geeignete Lebensräume der Eidechsen schaffen.
Bestehende Gehölzstrukturen und ergänzende Bepflanzungen sollen die Lebensräume im nördlichen und südlichen Teil voneinander trennen. Damit soll verhindert werden, dass Mauereidechsen in den vorgesehenen Ersatzlebensraum der Zauneidechsen einwandern. Die offenen, besonnten Bereiche zwischen den Modulen können zudem auch anderen Tierarten zugutekommen.
Die größeren Reihenabstände bedeuten, dass weniger Solarmodule aufgestellt werden können als bei einer konventionellen Belegung. Sie sind jedoch ein gezielter Bestandteil der Planung, um erneuerbare Energieerzeugung und den Schutz wertvoller Lebensräume miteinander zu verbinden. Auch die Einzäunung wird entsprechend gestaltet: Ein ausreichender Abstand zum Boden soll gewährleisten, dass Kleintiere die Fläche weiterhin durchqueren können.
Fachlicher Austausch beim Spatenstich
Neben Oberbürgermeister Dirk Elkemann waren Raphael Schneider als Projektleiter und Jörn Jensen, Team PV Anlagen der ausführenden Firma SPIE Energy Solutions sowie Ronja Timm-Geske und Aron Winkelmann von John Becker Ingenieure beim Spatenstich dabei. Seitens der Stadtwerke Wiesloch nahmen Leiterin Petra Hoß sowie Hazem Alali und Franck Eric Fogang teil. Gemeinsam betreuen sie dieses und andere Projekte und erläuterten die Besonderheiten.
Mit der PV-Freiflächenanlage Grumbwiesen wollen die Stadt und die Stadtwerke Wiesloch die örtliche Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien weiter ausbauen. Das Vorhaben verbindet die Einspeisung von Solarstrom in das öffentliche Netz mit dem Erhalt und der Entwicklung von Lebensräumen für Tiere und soll damit einen Beitrag zum Klimaschutz und zum Artenschutz leisten.