Brücke am Waldangelbach erinnert an Josef Zöllner
Wiesloch würdigt den langjährigen Geschäftsführer des Abwasser- und Hochwasserschutzverbands Wiesloch und seine Verdienste um den Hochwasserschutz.
Eine Brücke, die den Waldangelbach im Bereich zwischen dem Leimbach und dem Quartier am Bach überspannt, trägt nun den Namen von Josef Zöllner. Mit der Benennung und zwei Gedenktafeln auf großen Findlingen erinnert die Stadt Wiesloch an den ehemaligen Geschäftsführer des Abwasser- und Hochwasserschutzverbands (AHW), der den Hochwasserschutz in der Region Wiesloch über viele Jahre maßgeblich vorangebracht hat. Die Ehrung ist zugleich ein Zeichen der Anerkennung für sein langjähriges Engagement, seine Beharrlichkeit und seine großen Verdienste um die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger.
Zur Anbringung der Gedenktafeln kamen Oberbürgermeister Dirk Elkemann, der heutige Geschäftsführer des AHW, Rainer Reißfelder, der frühere städtische Mitarbeiter Meinrad Singler sowie die Familie des Verstorbenen zusammen. Anwesend waren seine Witwe Annerose Zöllner und die beiden Töchter Melanie La Terra Pirre und Julia Kurzer.
Ein sichtbares Zeichen der Anerkennung
Die Idee, eine Brücke nach Josef Zöllner zu benennen, stammt von Meinrad Singler, der bei der Stadt Wiesloch den Bereich Grünflächen leitete und über viele Jahre eng mit Zöllner zusammenarbeitete. Der Ausbau des Waldangelbachs und die damit verbundenen Maßnahmen zum Hochwasserschutz sind eng mit dessen Namen verbunden.
Oberbürgermeister Dirk Elkemann bedankte sich bei der Familie für ihr Kommen und betonte die Bedeutung der Ehrung. Josef Zöllner sei erst kurze Zeit vor seinem Tod in den Ruhestand gegangen und habe sogar noch länger gearbeitet, als er eigentlich gemusst hätte. Damit habe er der Öffentlichkeit noch viel von seiner Lebenszeit geschenkt. Zu diesem Zeitpunkt habe er noch nicht wissen können, wie wenig Zeit ihm selbst noch bleiben würde.
Die Brücke sei ein sichtbares Zeichen der Erinnerung. Zugleich zeige sich an diesem Ort, dass Hochwasserschutz nicht nur eine funktionale Aufgabe sei, sondern auch gestalterische Elemente umfassen könne, die einen Mehrwert für die Stadt und ihre Menschen schaffen.
Dass es bei der Ehrung regnete, passte auf besondere Weise zum Anlass. Schließlich war der Schutz vor Hochwasser und den Folgen von Starkregen ein Thema, das Josef Zöllner über viele Jahre beschäftigte. Auch seine Witwe bestätigte mit einem Lächeln, dass das regnerische Wetter ganz typisch für ihren verstorbenen Mann gewesen sei.
Langjährige Zusammenarbeit und persönliche Erinnerungen
Auch Meinrad Singler erinnerte sich an die langjährige Zusammenarbeit mit Josef Zöllner. Viele Telefonate, persönliche Gespräche und WhatsApp-Nachrichten seien ihm lebhaft in Erinnerung geblieben. Singler, der etwas früher als Zöllner in den Ruhestand gegangen war, blieb mit ihm auch danach in freundschaftlicher Verbundenheit. Diese sei über die gemeinsame berufliche Zeit hinaus bestehen geblieben.
Der heutige AHW-Geschäftsführer Rainer Reißfelder arbeitete Jahrzehnte mit Josef Zöllner zusammen. Seit 2003 baute Zöllner den Hochwasserschutz beim Verband auf und prägte dessen Entwicklung entscheidend mit. Reißfelder freute sich deshalb besonders über die Gedenktafel und darüber, dass Zöllners Verdienste auf diese Weise gewürdigt werden.
Auch die Familie zeigte sich tief bewegt von der besonderen Ehrung. Es bedeute ihr viel, dass die Brücke nun den Namen von Josef Zöllner trage und er dadurch nicht vergessen werde. Die Benennung sei ein Zeichen dafür, dass seine Arbeit gesehen, gewürdigt und wertgeschätzt werde. Seine Frau bestätigte zudem, dass ihr Mann bei der Umsetzung der Hochwasserschutzmaßnahmen sehr hartnäckig gewesen sei. Gerade diese Beharrlichkeit habe wesentlich dazu beigetragen, die Vorhaben zum Erfolg zu führen.
Sechs Rückhaltebecken und drei ausgebaute Gewässerabschnitte
Wie groß die Bedeutung von Josef Zöllners Arbeit für Wiesloch war, zeigt ein Blick auf die Entwicklung des Hochwasserschutzes in den vergangenen fast 20 Jahren. Unter der Federführung von Zöllner und des AHW wurden auf Wieslocher Gemarkung insgesamt sechs Hochwasserrückhaltebecken gebaut. Darüber hinaus wurden drei Gewässerabschnitte hochwassersicher ausgebaut: der Leimbach zwischen der Bachgasse und der Dr.-Martin-Luther-Straße, der Gauangelbach in Baiertal sowie der Waldangelbach zwischen dem Schwimmbad und der Dr.-Martin-Luther-Straße. Hinzu kamen verschiedene Ausgleichsmaßnahmen, unter anderem am Roten Wehr, am Leimbach und am Waldangelbach.
Hochwasserschutz ist dabei eine Aufgabe, die weit über die eigentlichen Bauarbeiten hinausgeht. Grundstücke müssen verfügbar gemacht, Fördermittel eingeworben und die Vorhaben mit den beteiligten Kommunen und weiteren Stellen abgestimmt werden. Dass zahlreiche Maßnahmen im Verbandsgebiet rund um Wiesloch und Walldorf umgesetzt werden konnten, ist auch mit dem langjährigen Einsatz von Josef Zöllner verbunden. Er brachte die Projekte voran, setzte sich für ihre Finanzierung ein und investierte dafür viel Zeit – auch über seine beruflichen Verpflichtungen hinaus.
Der Ausbau des Waldangelbachs als besonderes Beispiel
Ein besonders sichtbares Beispiel für die Arbeit von Josef Zöllner ist der Ausbau des Waldangelbachs zwischen seiner Einmündung in den Leimbach und dem Freibad. Die Arbeiten begannen 2018 und wurden im Zeitraum von 2018 bis 2020 umgesetzt. Die Baukosten beliefen sich auf rund 4,3 Millionen Euro einschließlich des Spielplatzes und der Stahlträgerbrücke.
Für diese Brücke setzte sich Josef Zöllner persönlich beim Land als Fördergeber ein. Die Förderquote lag bei 70 bis 85 Prozent; die Fördersumme betrug rund 3,3 Millionen Euro.
Im Zuge des Ausbaus erhielt der Waldangelbach auf einer Länge von rund 400 Metern einen neuen, geschwungenen Verlauf. Die Gewässerrandstreifen wurden breiter und flacher gestaltet. Auch die Bachböschungen und die neu angelegten Gewässerunterhaltungswege wurden so ausgebaut, dass sie sich gut zum Radfahren und für Spaziergänge eignen.
Gleichzeitig wurde der Hochwasserschutz verbessert: Der neue Abflussquerschnitt ist auf ein hundertjährliches Hochwasser zuzüglich Klimafaktor ausgelegt. Darüber hinaus wurde die Ökologie des Gewässers aufgewertet. Durch den zusätzlichen Geländegewinn entstanden vielfältige Lebensräume für Tiere und Pflanzen am und im Wasser.
Damit zeigt der Ausbau beispielhaft, wie sich technischer Hochwasserschutz, ökologische Verbesserungen und eine attraktive Gestaltung des Stadtraums miteinander verbinden lassen.