„Grundpfeiler der Demokratie“ im Stadtwingert eingeweiht

Gruppenfoto der am Kunstwerk beteiligten Menschen.
Zahlreiche Künstlerinnen und Künstler waren am Werk beteiligt. | © Stadt Wiesloch

Kunstwerk macht Vielfalt, Zusammenhalt und demokratische Werte sichtbar.

Wiesloch hat ein neues sichtbares Zeichen für Demokratie: Am Tag der Deutschen Einheit 2026 wurde im Stadtwingert der „Grundpfeiler der Demokratie“ offiziell eingeweiht. Das 4,20 Meter hohe Kunstwerk ist im Rahmen eines internationalen Bildhauer-Symposiums in Wiesloch entstanden und vereint die Arbeiten von sechs Künstlerinnen und Künstlern. Gemeinsam bilden die unterschiedlichen Einzelwerke eine Säule, die sich mit den Grundlagen und der Zukunft der Demokratie auseinandersetzt.
 
Oberbürgermeister Dirk Elkemann betonte bei der Einweihung die besondere Verbindung von Kunst und Demokratie. „Kunst und Demokratie begeistert – man kann beides vereinen“, so Elkemann. Gerade der Tag der Deutschen Einheit sei ein passender Anlass, ein solches Zeichen einzuweihen: Gefeiert würden die Demokratie und das Grundgesetz. Auch das 75-jährige Bestehen des Bundesverfassungsgerichts mache die Bedeutung demokratischer Grundwerte in diesem Jahr besonders sichtbar.
 
Besonders beeindruckt zeigte sich der Oberbürgermeister davon, dass die Entstehung der Kunstwerke öffentlich miterlebt werden konnte. Im Juni hatten die sechs beteiligten Künstlerinnen und Künstler eine Woche lang am „Platz am Alten Staatsbahnhof“ gearbeitet. Passantinnen und Passanten konnten die Entstehung unmittelbar verfolgen, mit den Kunstschaffenden ins Gespräch kommen und erleben, wie aus unterschiedlichen Materialien und künstlerischen Ideen nach und nach einzelne Werke entstanden.
 
„Es ist etwas ganz Besonderes entstanden“, würdigte Elkemann das Ergebnis und dankte allen Beteiligten. Sein besonderer Dank galt „Art moves Europe“, Bettina Zedlitz und Christian H. Friederichs für die Idee und die Umsetzung des Projekts. Auch Jürgen Grimm vom Kulturforum Südliche Bergstraße hatte sich besonders für das Vorhaben eingesetzt. Grimm ist inzwischen leider verstorben. Bei der Einweihung wurde mit einer Gedenkminute an ihn erinnert.

Viele Einzelbeiträge – ein gemeinsames Kunstwerk

Gesamtansicht des Kunstwerks
Skulptur Grundpfeiler der Demokratie. | © Stadt Wiesloch

Der Interimsvorsitzende des Kulturforums Südliche Bergstraße, Dr. Vasco Schmidt, dankte ebenfalls allen, die zum Gelingen des Projekts beigetragen hatten. Dabei hob er ausdrücklich auch die zahlreichen Beteiligten im Hintergrund hervor – von den Gewerken über die Bereitstellung und Bearbeitung der Materialien bis hin zu Statik und Aufbau ebenso die Finanzierung durch den Lions Club und das Bundesprogramm „Demokratie leben“ koordiniert von der Partnerschaft für Demokratie Wiesloch. Erst durch das Zusammenspiel vieler Menschen konnte aus den einzelnen Kunstwerken der gemeinsame „Grundpfeiler der Demokratie“ entstehen.
 
Genau dieses Zusammenspiel ist Teil der Botschaft des Kunstwerks. Sechs Künstlerinnen und Künstler haben sich aus unterschiedlichen Perspektiven mit der Frage auseinandergesetzt, was Demokratie trägt und zusammenhält. Entstanden sind Arbeiten aus unterschiedlichen Materialien wie Holz, Naturstein und Beton. Die einzelnen Elemente unterscheiden sich deutlich voneinander und werden dennoch zu einer gemeinsamen Säule verbunden.
 
Prof. Gert Weisskirchen stellte bei der Einweihung die Frage: „Kunst und Demokratie – was haben die miteinander zu tun?“ Seine Antwort: Beide hätten viel mit Menschen, mit aufrechtem Denken und mit einer aufrechten Haltung als Bürgerinnen und Bürger zu tun. Kunst könne dazu beitragen, Demokratie zum Nachdenken anzuregen und Mut zu machen, auch in Zukunft aufrecht zu bleiben. Sie könne dabei ganz anders aussehen, als man es zunächst erwarte, und gerade dadurch neue Perspektiven eröffnen. Kunst könne so zu einem Zeichen für Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität werden.

Kunst soll bewegen

Alfred Mevissen, Gründer von Art moves Europe, stellte den europäischen Gedanken des Projekts heraus. Aufgabe von Kunst sei es, Europa und die Demokratie zu bewegen. Die Mitglieder des Vereins seien überzeugte Europäerinnen und Europäer und wollten mit dreidimensionaler Kunst Menschen erreichen, Diskussionen in die Städte tragen und die europäische Idee sowie die Demokratie sichtbar machen.
Wiesloch ist dabei Teil des Europäischen Skulpturenweges. Nach Angaben von Art moves Europe umfasst dieser inzwischen 96 Skulpturen an 56 Orten; mit Wiesloch ist der 57. Ort hinzugekommen.
Das Symposium wurde von Art Moves Europe und dem Kulturforum Südliche Bergstraße e.V. initiiert. Die gemeinsame Projektkoordination lag bei Christian H. Friederichs aus Oberderdingen und Bettina Zedlitz aus Wiesloch.
 
Unterschiedlichkeit wird zum Fundament
Die sechs Einzelarbeiten setzen unterschiedliche Schwerpunkte: Es geht um Zusammenhalt und Vielfalt, um Freiheitsrechte, Begegnung und gegenseitigen Respekt, um Gewaltenteilung und ihre Gefährdungen sowie um Pluralismus.
Auch in der äußeren Gestaltung wird die Idee des Zusammenspiels sichtbar. Die unterschiedlichen Elemente werden durch eine verbindende Gestaltung zusammengeführt. Ein Stahlrohr im Inneren hält die einzelnen Teile zusammen. Die Konstruktion kann damit zugleich als Bild für die Standfestigkeit der Demokratie verstanden werden: Unterschiedliche Menschen, Meinungen und Perspektiven gehören zusammen und brauchen verbindende gemeinsame Werte.
 
Christian Friederichs verwies bei der Einweihung auf die besondere Vielfalt des Kunstwerks und Wieslochs Tradition als Stadt der öffentlichen Skulpturen. Sechs Künstlerinnen und Künstler – drei Frauen und drei Männer – haben mit unterschiedlichen Materialien und künstlerischen Handschriften an dem 4,20 Meter hohen Werk gearbeitet. Gerade die Vielfalt werde durch den gemeinsamen Grundpfeiler zu einem Ganzen. Gemeinsam gestaltet wurde das Kunstwerk von Simone Carol Levy, Richarda Menger, Christian H. Friederichs, Frank Tils, Piepe Hawran und Bettina Zedlitz.
 
Für Oberbürgermeister Elkemann ist damit auch eine wichtige Botschaft verbunden: Demokratie dürfe nicht als selbstverständlich betrachtet werden. Sie müsse immer wieder sichtbar gemacht, erklärt und gemeinsam gestaltet werden. Das Kunstwerk im Stadtwingert lädt dazu ein, stehenzubleiben, hinzuschauen und über die Grundlagen unserer Demokratie nachzudenken.
Der „Grundpfeiler der Demokratie“ steht damit nicht nur als Kunstwerk im öffentlichen Raum. Er soll auch daran erinnern, dass Demokratie von den Menschen lebt, die sie tragen, mitgestalten und immer wieder neu mit Leben füllen.

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