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Archivalie des Monats Mai

Das Wieslocher Stadtarchiv hat weit mehr zu bieten, als alte, staubige Unterlagen, die „kein Mensch mehr braucht“. Ganz im Gegenteil, es ist eine Schatzkammer für das historische Gedächtnis unserer Stadt, die auf eine lange, vielfältige und spannende Geschichte zurückblicken kann. Einige der Schmuckstücke des Archivs werden ab sofort in Form der „Archivalie des Monats“ präsentiert. Kurze, erläuternde Texte liefern die dazugehörigen Hintergrundinformationen. 

Stadtplan von 1910 - Mai 2024

Diesen Monat präsentieren wir Ihnen einen „Neuling“ im Wieslocher Stadtarchiv, der zwar schon 114 Jahre auf dem Buckel hat, sich aber bis vor kurzem noch in Privatbesitz befand: Einen detaillierten, kolorierten und großformatigen Stadtplan Wieslochs aus dem Jahr 1910.

Stadtplan als pdf-Datei (8,715 MB)

Der Hauptgrund, warum das zuvor eigenständige Altwiesloch 1908 nach Wiesloch eingemeindet wurde, lässt sich bereits nach einem flüchtigen Blick auf den oben abgebildeten Stadtplan gut erkennen: Die Errichtung der Großherzoglich Badischen Heil- und Pflegeanstalt (heute PZN). Diese hatte 1905 ihren Betrieb aufgenommen und ist bis heute als kleine „Stadt am Rande der Stadt“ einer der wichtigsten Faktoren für die überregionale Bekanntheit Wieslochs. Doch mit der Errichtung gingen auch große Geländeverluste für Wiesloch und insbesondere Altwiesloch einher, was mit starken Einbußen bei den Steuereinnahmen verbunden war. Nach vorhergehenden Verhandlungen stimmte eine 1907 einberufene Altwieslocher Bürgerversammlung daher der Eingemeindung nach Wiesloch zu. Zum 1. Januar 1908 wurde diese dann vollzogen. Seither ist Altwiesloch, das in seiner Geschichte immer wieder in unterschiedlicher Form mit Wiesloch verbunden war, endgültig ein Teil dieser Stadt. Dass es überhaupt einmal diese beiden voneinander unabhängigen Orte gab, die heute längst durch lückenlos bebaute Straßenzüge untrennbar miteinander verbunden sind, ist auf dem Plan von 1910 noch klar ersichtlich.

Stadt- und Gemarkungspläne sind eine für die Stadtgeschichtsschreibung sehr wichtige und wertvolle Quelle, da sich ihnen eine Fülle an Informationen zur Stadtentwicklung, zu Straßen- und Gewannnamen etc. entnehmen lässt. Aus diesem Grund verfügt auch das Wieslocher Stadtarchiv über einige solche Pläne. Dass das Archiv – und damit auch die interessierte Öffentlichkeit – heute im Besitz dieses gut erhaltenen Stadtplanes von 1910 ist, verdankt es Frau Anna Stark, der Witwe des im September 2023 verstorbenen ehemaligen Bautechnikers des Wieslocher Hochbauamtes. Dafür, dass sie uns dieses und weitere historische Dokumente aus dem Nachlass ihres Mannes als Schenkung überlassen hat, gebührt ihr herzlicher Dank.
„Nur wer die Vergangenheit kennt, kann die Gegenwart verstehen und die Zukunft gestalten“. Diese Worte des deutschen Politikers August Bebel sind zweifellos richtig. Doch wer die Vergangenheit kennen lernen möchte, ist auf historisches Quellmaterial angewiesen, anhand dessen sie sich rekonstruieren lässt. Archiven kommt als Sammlungsorten solchen Quellmaterials eine Schlüsselfunktion für die Geschichtsforschung zu. Je umfangreicher sie bestückt sind, desto detaillierter und vielschichtiger sind die historischen Hintergrundinformationen, die sich ihnen entnehmen lassen.

Wer in seinem Privat- oder Firmenbesitz über historische Unterlagen (Dokumente, Bilder, Karten etc.) verfügt, für die er keine Verwendung mehr hat, bzw. die er gerne der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen möchte, kann sich darum gerne an das Wieslocher Stadtarchiv wenden. Sollten diese in unser Sammlungkonzept passen, welches die Wieslocher Stadtgeschichte zum Schwerpunkt hat, nehmen wir sie dankbar an.

Stadtarchiv, Museum und Literatur über Wiesloch:

Wer nun Lust bekommen hat, sich noch eingehender mit der Geschichte Wieslochs zu beschäftigen, hat dafür vielfältige Möglichkeiten:
Unsere Seite Literatur verschafft einen guten Überblick. Jede Menge Lesestoff aus Originalquellen und historisches Bildmaterial gibt es außerdem in den Beständen des Stadtarchivs, das von allen interessierten Personen kontaktiert und nach terminlicher Abstimmung genutzt werden kann. Außerdem sei Ihnen ein Besuch des Städtischen Museums im mittelalterlichen Wehrturm „Dörndl“ nahegelegt, das in zentraler Stadtlage auf seiner Ausstellungsfläche allerlei Anschauliches zu den Themen Wieslocher Bergbau, frühe Besiedlungsgeschichte und vieles mehr zu bieten hat. Das Städtische Museum ist jeden Sonntag von 14 bis 16 Uhr geöffnet, der Eintritt ist kostenlos.